Marco Kamradt hat auf dem tekom-Festival 2026 einen Workshop zur Transformation des Technischen Redakteurs gehalten — wie KI das Berufsfeld neu definiert und welche neue Rolle entsteht.
Marco Kamradt beim Workshop auf dem tekom-Festival 2026 — die Frage auf der Leinwand trifft den Kern: „Was genau glauben Sie, wird KI in Ihrem Job ersetzen?"
Das Fokusthema des tekom-Festivals 2026 lautete „Transformation und transformative Kompetenzen". Ein Thema, das direkter kaum auf die Technische Redaktion passen könnte. Marco Kamradt hat es in einem Workshop mit einer klaren These beantwortet: Die Kompetenz technischer Redakteurinnen und Redakteure ist wertvoller als je zuvor — aber sie muss den Ort wechseln.
Am 7. und 8. Mai 2026 traf sich die Community der Technischen Kommunikation auf dem SAP-Gelände in St. Leon-Rot zum tekom-Festival. Mehr als eine klassische Tagung: ein interaktives Format mit Workshops, Impulsen und echtem Austausch — bewusst unter dem Leitthema Transformation.
Marco Kamradt eröffnete seinen Workshop mit einer einfachen, aber wirkungsvollen Frage an die Teilnehmenden: „Was genau glauben Sie, wird KI in Ihrem Job ersetzen?" Die Stille, die folgte, sagte mehr als jede Antwort. Aus dieser Frage heraus entwickelte sich ein Workshop, der mehr Resonanz erzeugte als erwartet.
Die verbreitete Angst lautet: KI schreibt Dokumentation schneller, günstiger, rund um die Uhr. Was bleibt für den Menschen? Marcos Antwort ist eine andere Perspektive:
Kernthese: Das Know-how Technischer Redakteure — Klassifikation, Strukturierung, Terminologie, Metadaten, Wiederverwendung — ist genau das, was Unternehmen brauchen, um KI sinnvoll einzusetzen. Wer heute Inhalte strukturiert, der wird morgen zum Architekten des gesamten Unternehmenswissens.
Was Technische Redakteurinnen und Redakteure täglich tun, ist zutiefst wertvolles Wissen: Sie klassifizieren Informationen, definieren Strukturen, pflegen Terminologie, denken in Wiederverwendung und in Zielgruppen. Das sind keine Nischen-Skills — das sind genau die Kompetenzen, die in einer KI-gestützten Informationswelt über Qualität und Nutzbarkeit entscheiden.
Bisher blieb dieses Know-how oft auf die technische Dokumentation beschränkt. Der Workshop entwickelte die Idee weiter: Was wäre, wenn dieses Wissen aktiv in andere Unternehmensbereiche getragen würde? Produktmanagement, Marketing, Service, Einkauf — überall entstehen Informationen, die strukturiert, klassifiziert und gepflegt werden müssen. Wer das kann, hat Einfluss weit über die Doku hinaus.
Das Berufsbild, das im Workshop skizziert wurde, trägt den Namen Informationsarchitekt: jemand, der nicht mehr nur Texte erstellt, sondern die Informationsstruktur eines Unternehmens gestaltet. Dessen Strahlkraft reicht in alle Bereiche, die mit Wissen und Kommunikation zu tun haben.
Im Workshop wurde KI nicht als Bedrohung behandelt, sondern als Verstärker bestehender Kompetenz. KI kann Texte generieren — aber nur dann gute, wenn die Informationsstruktur dahinter stimmt. Wer diese Struktur beherrscht, wird unersetzlicher, nicht überflüssiger.
Die Diskussion im Workshop zeigte: Viele Teilnehmende kannten dieses Gefühl — das eigene Wissen wird unterschätzt, die eigene Rolle zu eng definiert. Der Workshop gab diesem Gefühl einen Begriff und eine Richtung.
Der Technische Redakteur ist nicht in Gefahr zu verschwinden — er ist in der Position, eine der wichtigsten Rollen der nächsten Jahre einzunehmen: als Architekt des Unternehmenswissens. KI macht diese Rolle nicht kleiner, sondern größer. Die Frage ist nur, ob das Potenzial auch eingefordert wird.
Workshop „Transformation des Technischen Redakteurs" — tekom-Festival 2026, 7.–8. Mai, St. Leon-Rot. Referent: Marco Kamradt, Geschäftsführer KAMRADT Solutions GmbH.
Wir sprechen gerne über die Rolle des Informationsarchitekten in Ihrem Unternehmen — und was sich daraus für Ihre Informationsstrategie ableitet.
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